
Dämme, Esel und endlose Weite
Tag 2 – Vom Hoover Dam bis zum Grand Canyon
Jetlag hat ja seine Vor‑ und Nachteile. Der Nachteil: man ist hundemüde, wenn andere gerade zu Abend essen. Der Vorteil: man erlebt Las Vegas ganz ohne Trubel – um halb vier Uhr morgens. Während draußen noch die Neonlichter flackern, sitzen wir putzmunter im Bett und beschließen, das Beste daraus zu machen: Frühstück!
Schon auf dem Weg zu Denny’s merken wir, dass heute nichts einfach geht – überall stehen Absperrgitter, Straßen sind blockiert, Arbeiter montieren Tribünen. Las Vegas rüstet sich für die bevorstehende Formel 1, und wir müssen uns ein wenig durchs Labyrinth schlagen, bis wir schließlich kurz nach fünf im Diner sitzen. Rote Ledersitzbänke, freundliche Bedienung und Kaffee, der nie versiegt – typisch amerikanisch und für uns das perfekte Jetlag‑Frühstück. Es fühlt sich an wie in einem Film – nur, dass wir die Hauptrolle spielen: zwei Sachsen auf Koffein, bereit für ihr erstes Abenteuer im Westen.
Kurz nach sieben erreichen wir den Hoover Dam – als erste Besucher überhaupt, so scheint es. Nur das Sicherheitspersonal ist schon wach, und zwar hochkonzentriert. Das merken wir, als wir die Frage nach Waffen nicht richtig verstehen und leichtsinnig mit einem Scherz antworten. Ein Griff zur Hüfte später wissen wir: über solche Dinge macht man hier lieber keine Witze. Immerhin, wir dürfen passieren – mit leicht erhöhtem Puls.
Von der Brücke aus blicken wir auf den gigantischen Damm, ein Meisterwerk aus Beton, Stahl und amerikanischer Ingenieurskunst. Der Wasserstand im Lake Mead ist zwar deutlich gesunken, aber die Dimension bleibt beeindruckend. Natürlich fahren wir auch noch selbst über den Damm – einmal drüber, einmal zurück, einfach weil man’s kann.
Danach weiter Richtung Oatman, ein staubiges Westernstädtchen auf der alten Route 66. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein – inklusive Wildesel auf der Hauptstraße und einer kleinen Westernshow mitten im Staub. Wir gönnen uns unser erstes Eis des Urlaubs und schauen einer Truppe Schauspieler zu, die sich mit Coltattrappen duelliert. Einfach herrlich.
Auf der weiteren Fahrt folgen wir der alten Route 66, die sich wie ein Band durch staubige Hügel windet. Im kleinen Ort Seligman halten wir bei Westside Lilo’s Café, das von einer vor Jahren ausgewanderten Deutschen geführt wird – leider ist Lilo heute nicht da, aber ihr Apfelkuchen tröstet uns mehr als genug.
Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich unser Ziel: das Grand Canyon Village. Die Sonne steht tief, die Luft ist klar, und wir spüren, dass die nächsten Tage uns noch Großes erwarten. Übernachtung im Grand Canyon Inn – und dieses Mal schlafen wir wirklich sofort ein.
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